Zum Üben der verschiedenen Stiche der Schwälmer Weißstickerei bietet es sich an, zunächst mit einem Mustertuch zu beginnen, auf das zur Erinnerung immer wieder zurückgegriffen werden kann. Ein rechteckiges Stück Siebleinen in den Maßen 40 x 30 cm eignet sich. Mit diesem lichten Leinentuch wird die Durchbruchstickerei erleichtert. Üblicherweise wird die Schwälmer Stickerei auf dicht gewebtem Leinen gestickt und für Durchbrucharbeiten werden Fäden in regelmäßigen Abständen gezogen, um ein quadratisches Gitter oder um regelmäßige Reihen zu markieren.

Der Saum wird doppelt eingeschlagen und der verdeckte Einschlag um nur 1 Webfaden schmaler als der Saum angelegt. Dadurch ist der Einschlag nicht sichtbar und drückt sich beim Bügeln nicht durch. In den vier Ecken werden Füllmuster angeordnet und in der Mitte Motive mit Umrandungsstichen. Als Stickgarn wird Vierfachstickgarn Nr. 20 (fein) in weiß verwendet. Bei dem gezeigten Mustertuch wurden drei Kreise in der Mitte des Rechtecks untereinander angeordnet.

Ecke mit Stangen in abwechselnd angeordnetem 3-er Block oder 2-er-Muster
Diese Ecke mit Stangen in abwechselnd angeordnetem 3-er Block oder 2-er-Muster wird mit Wickelstichen gearbeitet. Als Saum trifft hier Erbslochhohlsaum auf Kästchenhohlsaum. Zum Befestigen des Saums wurde an allen Kanten zunächst ein einfacher Hohlsaum gestickt (von links sticken, je 2 Fäden fassen).
Ecke in gebrochenen Stangen (Treppenstich)

Diese Ecke wird in gebrochenen Stangen (Treppenstich) gearbeitet. Die Übergänge an den Quadraten, die nicht mit Wickelstich ausgefüllt werden, können mit kleinen, diagonalen Stichen gestickt werden. Eine weitere Variante ist dargestellt, in der zwischen den Treppen vier Fäden Abstand gelassen werden, die mit versetzt gestickten, diagonalen Stichen (in linkem Maschenstich schräg gestickt) gefüllt werden.

Ecke mit Füllung aus Rosenstich oder Spinnenstich

Die Ecke ist mit dem Rosenstich oder Spinnenstich gefüllt. Dieser Stich wird vom Mittelpunkt aus sternförmig gestickt. Ein zarteres Aussehen bekommt er, wenn nur in jeden 2. Gewebefaden gestochen wird. In jedem Falle sollte vor und nach dem Diagonalstich ein Faden ausgelassen werden, sonst wird das Muster zu dick. Die vorletzte diagonale Reihe dieses Dreiecks ist mit Schlingstich-Rosenstich gearbeitet. Als diagonale Borte wurden 1 Reihe schräger Zackenstich (1/4 Rosenstich), 2 Reihen Grundstich (links) und wieder 1 Reihe Zackenstich angeordnet.

Ecke mit gegenseitig stehenden Stangen im 1-er-Muster und im Wechsel mit gebrochenen Stangen (Wickelstich)

Diese Ecke ist mit gegenseitig stehend Stangen im 1-er-Muster und im Wechsel mit gebrochenen Stangen (Wickelstich) gestickt. Am Saum treffen einfacher Hohlsaum (je 2 Fäden gebündelt) und Erbshohlsaum aufeinander.

Die Mitte des Mustertuchs zieren drei Kreise. Die Beschreibung erfolgt von außen nach innen.

Kreis: Messerspitze (Wickelstich), Knötchenstich, Kettstich. Füllung aus Schlingstich-Rosenstich (auch: Röschenstich)
Kreis: Schnürloch (Schlingstich), Knötchenstich, Kettstich. Füllung aus Wellenstich
Kreis: 2 lang 2 kurz, Knötchenstich, Kettstich. Füllung: Waffelstich

Die nächste Ecke eines Mustertuchs ist mit dem Toledostich im Wechsel mit Kästchen im Wickelstich über je 3 Fäden gearbeitet. Der Toledostich besteht aus je 3 Hexenstichen, von links gearbeitet, horizontal und vertikal im Quadrat (hier über je 2 Fäden Breite und 6 Fäden Länge). Ist das Quadrat fertig, werden die letzten drei Hexenstiche von links mit dem Faden zusammengefasst und wie eine Getreidegarbe gebündelt.

Bild 2.8Mustertuch, Ecke mit Toledostich