Ich möchte Ihnen in diesem Kapitel die Ausführung einiger wichtiger Stiche der Schwälmer Stickerei vorstellen. Auf geläufige Stiche wie Plattstich und Hexenstich gehe ich hier nicht ein. Das grobe Gewebe und der rote Faden auf meinen Fotos dienen nur zur besseren Veranschaulichung. Die Stiche wirken viel schöner auf feinem Leinen und mit Ton-in-Ton Stickgarn.

Zur Umrandung und Befestigung von Motiven werden der Kettstich und der Knötchenstich angewendet. Sie sorgen dafür, dass die abgeschnittenen Fäden des Durchbruchs nicht ausfransen. Die Umrandung wird mit Schlingstichen oder dem Zierstich "2lang 2kurz" verziert.

Von links nach rechts: 2 lang 2 kurz (Wickelstich), Kettstich, Steppstich, Knötchenstich, Schnürloch (aus Schlingstichen)
erster Stich des Kettstichs
4. Stich des Kettstichs
1. Sich des Knötchenstichs
4. Stich des Knötchenstichs
1. Stich des Schlingstichs (Festonstich)
2. Stich des Schlingstichs (Festonstich)
Schlingstich als geschnürter Bogen und geschnürter Messerspitze
Befestigungsstiche Kettstich und Knötchenstich mit Schnürloch

Als einfache Zierstiche stelle ich zuerst den Rosenstich und die Stangen vor. Stangen, die in Wickelstich gearbeitet werden, werden je nach Anordnung als Treppenmuster, versetzte / gebrochene Stangen, Stangen im Einer-, Zweier- oder Dreier-Muster gestickt. Durch unterschiedliche Breite (schmal, breit, schmal) kann ein wirkungsvolles Dreiermuster entstehen. Ebenso abwechslungsreich ist das Rautenmuster, das durch zwei diagonal gearbeitete Treppen entsteht.

1. Schritt Füllmuster aus Rosenstichen
2. Schritt Füllmuster aus Rosenstichen
4. Schritt Füllmuster aus Rosenstichen
5. Schritt Füllmuster aus Rosenstichen
gebrochene Stangen. Wichtig: Wechsel horizontal/ vertikal immer über die Diagonale
Fortsetzung gebrochene Stangen
gebrochen Stangen in der Raute gestickt
gebrochene Stangen mit Füllung
In dem Innenraum der Raute kann ein Röschenstich, Rosenstich oder Kreuzstich gearbeitet werden.            Zur Befestigung des Saums wird häufig der Kästchenstich in Verbindung mit dem Erbslochhohlsaum verwendet.
Sticken des Kästchenstichs (erster Schritt)
Sticken des Kästchenstichs (zweiter Schritt)
Sticken des Kästchenstichs (dritter Schritt)
Sticken des Kästchenstichs (vierter Schritt)
Sticken des Kästchenstichs (fünfter Schritt)
Sticken des Kästchenstichs (letzter Stich des vierten Kästchens)

Bei großen Abständen im Durchbruch können die senkrechten Stiche doppelt gearbeitet werden.

Vorgehen beim Erbslochhohlsaum:

1. Schritt.

Zu Beginn Fäden ziehen: 1 ziehen, 3 stehen lassen, 3-4 Fäden ziehen, 3 stehen lassen, 1 ziehen. Sticken: 1 Reihe Kästchenstich sticken (erster Schritt).

2. Schritt.

Anschließend an der gegenüberliegenden Seite des Durchbruchs zunächst ein Kästchen sticken.

3. Schritt.

Dann nach dem 2. Stich des 2. Kästchens zwei Fadenbünde wie gezeigt mit einem Knoten umfassen und bei dem 2. Umschlingen zwischen beide gefasste Bündel von hinten einstechen und den oberen waagrechten und zweiten senkrechten Stich des zweiten Kästchens sticken. Es geht weiter mit einem Kästchenstich etc..

Dieser Erbslochhohlsaum eignet sich nur für schmale Hohlsäume.

Der Erbslochhohlsaum beginnt mit 1 Reihe Kästchenstich
Anschließend wird an der gegenüberliegenden Seite des Durchbruchs zunächst ein Kästchen gestickt
Nach dem 2. Stich des 2. Kästchens zwei Fadenbünde wie gezeigt mit einem Knoten umfassen
Bei dem 2. Umschlingen zwischen beide gefasste Bündel von hinten einstechen
Den oberen waagrechten und zweiten senkrechten Stich des zweiten Kästchens sticken
Letzter Stich des Erbslochhohlsaumstichs
Erbslochholsaum [nach Anneliese Spieß]

Es gibt noch eine andere Ausarbeitung des Erbslochhohlsaums [Gombert], der sich auch für breitere Hohlsäume eignet. Dieser wird durch je eine Reihe Kästchenstich auf beiden Seiten des Hohlsaums vorbereitet. Ein Fadenbündel wird dann vom Kästchenstich her 2 mal von außen nach innen mit dem Stickfaden umwickelt, dann werden beide Bündel mit einem Knoten zusammengefasst und wieder das nächste Bündel 2 mal von außen nach innen umwickelt und versteckt unter dem Kästchenstich (von links) zum nächsten Bündel geführt.

Der Röschenstich (auch Spitzenstich):

Der Röschenstich wird diagonal gearbeitet. Die hier vorgeführte Variante ist wieder dem Buch von Anneliese Spieß entnommen.

Röschenstich, 1. Stich
Röschenstich, 2. Stich
Röschenstich, 3. Stich
Röschenstich, 4. Stich
Röschenstich, 5. Stich
Röschenstich, 6. Stich
Drei Röschenstiche

Der Grundstich:

Der Grundstich wird zur Befestigung des Gitters im Lichten Durchbruch verwendet oder als Zierstich im Limit Durchbruch.

Grundstich, horizontaler Stich
Grundstich, vertikaler Stich
3 Reihen Grundstich, rechts im Limitdurchbruch
Grundstich linke Seite im Limitdurchbruch
Grundstich rechts im lichten Durchbruch
Grundstich "verkehrt", die Nadel sticht diagonal .

Der Saum und die Saumecke:

Zunächst sollte anhand der Proportionen des Deckchens die Breite des Saumes festgelegt werden. Zarte Deckchen erhalten einen kleinen Saum von 5 mm bis 1,5 cm, große Decken von 1,5 cm bis 4 cm Breite. Zunächst wird eine saubere Kante geschnitten (Webkanten abschneiden, da sie zum Einlaufen neigen).

In der Entfernung der 3-fachen Saumbreite minus 1 Faden vom Rand einen Faden oder mehrere Fäden für den Hohlsaum ziehen (in meinem Beispiel 2 Fäden, siehe Bild). Der erste Umschlag des Saums ist um einen Faden kleiner als die rechte und linke sichtbare Seite des Saums. Dadurch wird der Saum nicht teilweise durchsichtig und nach dem Bügeln erhält er eine durchgehend gleiche Dicke.

In meinem Beispiel wurden von außen 11, 12 und 12 Fäden abgezählt und markiert. An den Ecken entsprechend Bild die Nahtzugabe des Saums kürzen. Die Bruchkante der Ecken gut andrücken, die Umschlagkanten umlegen und mit Stecknadeln heften. Anschließend bügeln und ggf. mit Reihgarn heften. Dann wird der Saum mit gewöhnlichem Hohlsaumstich befestigt. In den Ecken wird die Naht verdeckt mit Überwindlingsstichen oder Polsterstichen vernäht.

Vorbereiten der Saumecke
Vernähen der gezogenen Fäden für den Hohlsaum
Bruchkante gut feststreichen (z. B. mit Griff der Schere) und Überstand gem. Bild abschneiden
Einschlagen des Saumes an einer Seite (von links)
Einschlagen des Saumes an zweiter Seite und Heften mit Stecknadeln (von links)
Befestigen des Saums mit gewöhnlichem Hohlsaumstich (links arbeiten von links nach rechts sticken)
Befestigen des Saums mit gewöhnlichem Hohlsaumstich. Es werden beim 2. Stich nur die beiden Fäden der Saumkante aufgegriffen. Von rechts sind es nur waagrechte Stiche in einer Reihe.
Befestigen der Ecke des Saums mit Überwindlingsstichen
Saum mit gewöhnlichem Hohlsaumstich von rechts. Nur waagrechte Stiche in einer Reihe sind sichtbar.